(09.09.2026) Ein Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene auf dem Schulhof? Da fällt es schwer, ruhig auf dem Platz sitzen zu bleiben und dem Unterricht zu folgen. „Immer wenn die Sirene vorgeführt wurde, wollten die Zweitklässler zum Fenster flitzen.“ berichtet Lehrerin Tanja Wiegand, die heute im Unterricht einer zweiten Klasse tätig war. Während unsere Jüngsten der Klassen 1 und 2 im Klassenraum lernen, steht an diesem Mittwoch für die Dritt- und Viertklässler ein besonderen Unterrichtstag an. Punkt 8 Uhr finden sich alle Schüler in der Turnhalle ein. Schulleiterin Frau Hölzer begrüßt die Kinder zum vierten Tag der kleinen Retter und stellt die Gäste vor. Sie ruft Drittklässler Anton nach vorn und promt stolpert dieser, verletzt sich am Ellenbogen und bleibt auf dem Boden liegen. Kurz ist es mucksmäuschenstill in der Halle. Alle Augen sind auf Anton gerichtet.
Schnell merken die Kinder, dass dies nur eine Demonstration ist und die Aufregung legt sich. Notarzt Nils Türpitz fragt die Kinder, was nun zu tun ist. Weggucken oder lieber helfen? Natürlich helfen! sind sich die Kinder schnell einig. Nach vielen abenteuerlichen Vorschlägen, kommen sie darauf, den Rettungswagen zu rufen. Gesagt – getan. Schnell wählt Herr Türpitz die 112 und Till aus der 4c telefoniert mit der Mitarbeiterin der Leitstelle. Routiniert beantwortet er deren Fragen. Als kurz darauf das Martinshorn auf dem Schulhof zu hören ist und drei Rettungsdienstmitarbeiter mit einer Trage in die Turnhalle gefahren kommen, staunen die Kinder nicht schlecht.


Anton wird nun gründlich untersucht. Nils Türpitz erklärt den Kindern jeden Schritt. Doch die Schüler schauen nicht nur zu, sondern dürfen mit anpacken. Einige Kinder helfen, Anton auf die Vakuummatratze zu heben und diese vorsichtig auf die Trage zu befördern. Danach geht es richtig los: Vier Stationen gibt es an diesem Tag zu absolvieren – ein langer Tag mit vielen Informationen für die Kinder. Doch selbst an den letzten Stationen ist die Begeisterung noch groß, denn überall gibt es spannende Fakten oder Praktisches auszuprobieren. Und nicht nur die Kinder lernen viel Neues – auch die Lehrer, die ihre Schüler begleiten, lernen das eine oder andere dazu.
Auf dem Schulhof wartet ein Polizeiwagen auf alle Drittklässler. Polizeibeamtin Claudia Schulz erzählt, wie sehr ihr die Präventionsarbeit bei Kindern am Herzen liegt. „Ich habe keinen festen Fahrplan, sondern lasse mich auf die Kinder ein und beantworte die Fragen, die sie brennend interessieren.“ berichtet sie. Das sie mit Begeisterung dabei ist, merkt man sofort. Zehn Kilogramm wiegt die Ausrüstung, die sie täglich trägt. Gemeinsam mit den Kindern trägt sie zusammen, was zu dieser Ausrüstung gehört und warum man die einzelnen Gegenstände als Polizist braucht. Auch ihren Dienstwagen nimmt Frau Schulz gemeinsam mit den Grundschülern unter die Lupe.

Ebenfalls auf dem Schulhof steht ein Rettungswagen mit der Notfallsanitäterin Vivien Türpitz und der Auszubildenden Chiara Schröder bereit. Alle Viertklässler dürfen sich mit Chiara Schröder das Innenleben eines Rettungswagens anschauen. Das tun sie mit Begeisterung und löchern sie mit Fragen. Währendessen wartet ihre Kollegin Vivien Türpitz mit einer Schaufeltrage auf die andere Hälfte der Kinder. Mit dieser besonderen Trage können Verletzte schonend umgelagert werden. Mehrere Freiwillige jeder Gruppe dürfen den Verletzten spielen. Die Klassenkameraden übernehmen die Arbeit der Notfallsanitäter. Auf Kommando eines Schülern befördern die Schüler einen „verletzten“ Klassenkameraden auf die Trage und schließen die Klickverschlüsse, um den Verletzten für den Transport vorzubereiten.


Wie spannend das Innenleben des eigenen Körpers ist, erfuhren die Kinder in der Turnhalle bei Nils Türpitz und in einem Hortraum bei Medizinstudetin Josefin Wille, die gerade ihre Famulatur in der Notaufnahme absolviert. Die Kinder lernen, an welchen Stellen man seinen Puls fühlen kann. Mit dem Stethoskop dürfen die Kinder ihren Atem und den Herzschlag hören. Als Frau Wille den Reflexhammer und das Stethoskop ins Spiel bringt, kann sie sich vor Freiwilligen gar nicht retten. An einem Skelettmodell zeigen die Kinder welche Organe sie bereits kennen. Da kommt schon eine Menge zusammen.




Für die Stationen „Verbandslehre“ haben Matteo Rieger und Saskia Aßmann reichlich Verbandmaterial dabei. Hier erfahren die Kinder, wie man Verbände anlegt und können das unter viel Gelächter auch praktisch umsetzen.



In der Aula und im Musikraum warten René Galetzka und Heta Grosse vom ASB auf die Kinder. Mitgebracht haben sie zwei Reanimationspuppen. Gemeinsam mit den Kindern besprechen sie, wie man handelt, wenn man einen Verletzten findet. „Hallo? Kannst du mich hören?“ rufen die Kinder und lernen, eine nicht ansprechbare, aber noch atmende Person in die stabile Seitenlage zu legen.
Hier helfen Eselsbrücken, um sich im Notfall, die einzelnen Handgriffe ins Gedächtnis zu rufen. Doch was passiert, wenn der Verletzte nicht ansprechbar ist und nicht mehr atmet? Zwölf Minuten dauert es in der Regel, bis der Rettungswagen am Unfallort ist. Zwölf Minuten, die die Herz-Lungen-Wiederbelebung ausgeführt werden muss, bis die Profis übernehmen. Zwölf Minuten, die über Leben und Tod entscheiden. Die Kinder dürfen an der Reanimationspuppe eine Herzdruckmassage ausprobieren. Dass das leichter aussieht als es ist, merken die Kinder schnell. Bis also ein Rettungswagen da ist, bedeutet eine Herzdruckmassage viel Arbeit.

Unser Dank geht an Nils Türpitz, ohne dessen Engagement, dieser Projekttag nicht zustande gekommen wäre. Ein großes Dankeschön geht auch an die Polizeibeamtin Claudia Schulz sowie den Rettungsdienstmitarbeitern René Galetzka und Heta Grosse vom ASB, Medizinstudentin Josefin Wille sowie Vivien Türpitz, Chiara Schröder, Saskia Aßmann und Matteo Rieger vom DRK Sömmerda. Wir sind dankbar über so viel Engagement für unsere Kinder!

