(22.03.2025) Eine Deutschstunde in der Klasse 2b im Januar 2025: Heute sollen Kinder lernen, wie man eine Einladung schreibt. An der Tafel finden sie durcheinandergewürfelte Sätze, die es zu sortieren gilt. Schnell sind diese in die richtige Reihenfolge gebracht. Als die Kinder den Text lesen, staunen sie nicht schlecht: „Liebe Kinder der Klasse 2b! Ich lade euch herzlich zu unserer Lesenacht am 21. März 2025 ein. Wir treffen uns 17:00 Uhr. Ich freue mich auf euch. Eure Frau Müller“ steht da geschrieben. Es dauert eine Weile, bis die Kinder realisieren, dass die Einladung echt ist.
Für Klassenlehrerin Kerstin Müller ist die Organisation einer Lesenacht nichts Neues. Schon oft hat sie für ihre Klassen Lesenächte organisiert. Und doch ist diese Nacht ein Novum. Zum allerersten Mal überhaupt, darf eine Klasse in der Stadt- und Kreisbibliothek übernachten. Eine Nacht inmitten von Tausenden von Büchern. Ein Abenteuer nicht nur für die Kinder; sondern auch für die Lehrer Kerstin Müller und Florian Eitner, die die Kinder begleiten.








Die Aufregung ist groß und mit jedem Tag steigt die Vorfreude. Eine gefühlte Ewigkeit später ist es endlich soweit: Einen Tag nach dem Frühlingsanfang treffen sich die Kinder gegen 17:00 Uhr in der Stadt- und Kreisbibliothek, um dort ihr Nachtlager aufzuschlagen. „Die Mamas und Papas sollen uns helfen, die Betten aufzubauen, aber dann schicken wir sie nach Hause!“ fasst Arthur den Beginn der Lesenacht treffend zusammen. Als die Schlaflager vorbereitet sind, zieht sich so mancher darauf zurück und schmökert ein wenig in seinem Lieblingsbuch, denn das sollte jedes Kind mitbringen.
19:00 Uhr gibt es für die Zweitklässler Pizzen zum Abendessen. Diese werden im gemütlich eingerichteten Lesecafé der Bibliothek verspeist. Doch eine Stunde später wartet noch eine große Überraschung auf die Kinder. Die Hauptlichter der Bibliothek werden gelöscht und die Kinder leuchten sich mit ihren Taschenlampen den Weg ins Foyer. Bibliotheksleiterin Anne Schmidt fragt die Kinder, woher die Bücher hier im Haus eigentlich kommen? „Natürlich vom Autor!“ wissen die Kinder. Doch was muss passieren, bevor man ein Buch in der Bibliothek ausleihen kann? Sehr anschaulich erklären Anne Schmidt und Bibliotheksmitarbeiter Jan Lodko den Kindern den Ablauf von der Bestellung des Buches bis zur Ausleihe.


Plötzlich ist ein leises Klopfen im Foyer zu hören. Frau Schmidt öffnet vorsichtig die Tür und siebzehn Kinderaugenpaare folgen ihren Bewegungen mit Spannung. Wer klopft zu so später Stunde an der Bibliothek, die ja am Freitag schon 13:00 Uhr schließt? Vor der Tür steht ein riesiges Paket von einer Buchhandlung. In ihm befindet sich ein besonderes Buch, dass die Bibliothek für ihre Leser bestellt hat. Gemeinsam mit dem Buch gehen die Kinder viele Stufen nach oben ins 2. Obergeschoss, in dem sich Bibliotheksbesucher im normalen Betrieb nicht verirren. Dort befinden sich die Büros der Mitarbeiter. Hier erleben sie, wie die Rechnung kontrolliert und das Buch inventarisiert wird. Es bekommt einen Stempel, seine Nummer, einen Registrierungscode und natürlich den Aufkleber mit dem Buchgenre auf den Buchrücken. Das eigens für die Kinder gelieferte Buch kann sogar sprechen und entlockt den Kindern mit lustigen Antworten so manches Kichern. Als „Jan, das Buch“ inventarisiert ist, dürfen die Kinder einen Blick auf den Dachboden werfen, denn dort warten in einem großen Regal die erfassten neuen Medien der Bibliothek auf den Tag, an dem sie ihr eigentliches Leben im Regal „Neuzugänge“ im Empfangsbereich starten dürfen. Gemeinsam bringen die Kinder das besondere Buch ins Erdgeschoss und dürfen dort noch viele Fragen zur Bibliothek stellen.


Gegen 21:00 Uhr geht es dann in den großen Lesesaal, in dem für den heutigen Tag die Bücherregale ganz an den äußersten Rand geschoben wurden, um den jungen Lesern und ihren Schlafsäcken und mitgebrachten Plüschtieren Platz zu machen. Eingekuschelt liegen die Kinder da und lauschen der Gute-Nacht-Geschichte ihrer Lehrer. Da dauert es nicht lange und alle sind eingeschlafen.


Zwischen sechs und sieben Uhr sind die Kinder wieder putzmunter. Im Lesecafé im Erdgeschoss wird schon fleißig gearbeitet, denn einige Eltern bereiten für die Kinder ein leckeres Frühstück vor. Ein wenig müde, aber glücklich gehen die Kinder am Samstag um 9 Uhr nach Hause. Diese besondere Lesenacht wird ihnen sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

Vielen Dank an Kerstin Müller und Florian Eitner, die die Kinder ins Reich der Bücher begleitet haben. Außerdem geht ein riesiges Dankeschön geht an die Stadt- und Kreisbibliothek Sömmerda, die dieses Abenteuer für unsere Kinder möglich gemacht hat. Die Einwohner des Landkreises können sich glücklich schätzen, ein so engagiertes Bibliotheksteam um Leiterin Anne Schmidt zu haben. Seit vielen Jahren bereichert das kreative Team mit innovativen Ideen das kulturelle Leben Sömmerdas. Ohne unsere Bibliothek wäre die Kreisstadt um einiges ärmer! DANKESCHÖN DAFÜR und weiter so!